Mandantenrundschreiben 10/2021

Das neue Rundschreiben im pdf-Format: Mandantenrundschreiben Oktober 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Bundesverfassungsgericht hat mit Beschluss vom 8. Juli 2021 die Verfassungswidrigkeit von Zinsen auf Steuernachzahlungen und -erstattungen in Höhe von 6 % pro Jahr rückwirkend ab dem Veranlagungsjahr 2014 festgestellt und damit die schon lange im Berufsstand und in der Öffentlichkeit bestehenden Zweifel an der Regelung bestätigt. Allerdings hat das Gericht auch gleichzeitig mit einem Hinweis auf die Sicherung der Staatshaushalte die Fortgeltung der bisherigen Regelung bis einschließlich des Veranlagungszeitraums 2018 angeordnet. Erst für den Veranlagungszeiträume ab 2019 hat der Gesetzgeber bis zum 31. Juli 2022 eine verfassungskonforme Neuregelung zu erlassen. Die vom Gericht angeordnete Fortgeltung des bisherigen Rechts ist dabei durchaus kritisch zu sehen, da sich der Gesetzgeber, trotz jahrelanger Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit wegen veränderter wirtschaftlicher Verhältnisse, beharrlich geweigert hat, von sich aus die Steuergesetze in verfassungskonformer Weise anzupassen und letztendlich dafür höchstrichterlich „belohnt“ wird.

Aus praktischer Sicht sind von dieser Verzinsungsregelung alle Steuernachzahlungen und -erstattungen für Einkommens-, Körperschafts-, Umsatz- und Gewerbesteuer betroffen, nicht jedoch solche für Stundung, Aussetzung oder Hinterziehung. Hierfür gelten wiederum besondere, vom Urteil nicht berührte Verfahrensregeln. Das Bundesfinanzministerium hat am 17. September 2021 ein BMF-Schreiben zur Regelung der vorläufigen Festsetzung und Aussetzen der Festsetzung von Nachzahlungs- und Erstattungszinsen während des Übergangszeitraums 1. Januar 2019 bis zum Erlass der Neuregelung in 2022 veröffentlicht. Wir werden Sie diesbezüglich auf dem Laufenden halten und stehen bei Fragen zu diesem und anderen Themen sehr gerne zur Verfügung.

Dr. André Fiebiger
Geschäftsführender Gesellschafter
Wirtschaftsprüfer| Steuerberater

JEV 2021 | Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Jahresendveranstaltung. Freuen Sie sich auf eine praxisorientierte Darstellung aktueller Themen aus den Bereichen Steuern, Gesellschaftsrecht und Bilanzierung. Wir freuen uns auf Sie am 7. oder 9. Dezember 2021! Weitere Details und Anmeldung unter folgendem Link:

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ÜBERSICHT DER THEMEN
Mandantenrundschreiben Oktober 2021:


Für alle Steuerpflichtigen

  • Broschüre „Vereine & Steuern“ neu aufgelegt
  • Keine Spekulationssteuer auf das Arbeitszimmer bei Verkauf des selbstgenutzten Eigenheims
  • Merkblätter zum Kindergeld 2021
  • Neues zur Doppelbesteuerung der Renten
  • Steuernachzahlungen und -Erstattungen: 6% Zinsen sind verfassungswidrig


Für Unternehmer

  • Neues Schreiben des Bundesfinanzministeriums zur Anerkennung von Bewirtungsaufwendungen
  • Vorsteuerabzug: Frist für Zuordnung zum Unternehmensvermögen


Für Arbeitgeber

  • Dienstwagenbesteuerung: Rückwirkender Wechsel der Bewertungsmethode

 

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Übersicht: Steuerinformationen für Oktober 2021

Bewirtungskosten aus geschäftlichem Anlass sind nur dann als Betriebsausgaben abzugsfähig, wenn Nachweise erbracht und (weitere) formale Voraussetzungen erfüllt werden. Die steuerlichen Spielregeln hat das Bundesfinanzministerium nun mit Schreiben vom 30.6.2021 angepasst. .

Darüber hinaus ist in diesem Monat auf folgende Aspekte hinzuweisen:

  • Frohe Kunde vom Bundesfinanzhof: Der Gewinn aus dem Verkauf eines selbstgenutzten Wohneigentums ist auch dann in vollem Umfang steuerfrei, wenn zuvor Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer abgesetzt wurden.
  • Die Verzinsung von Steuernachforderungen und -erstattungen mit jährlich 6 % ist ab 2014 verfassungswidrig. Der Gesetzgeber muss bis zum 31.7.2022 eine Neuregelung treffen, die sich rückwirkend auf alle Verzinsungszeiträume ab 2019 erstreckt.
  • Der Vorsteuerabzug bei nicht nur unternehmerisch genutzten Gegenständen (z. B. Fotovoltaikanlagen) erfordert eine zeitnahe Zuordnung zum Unternehmensvermögen. Wurde die Zuordnung bei der Umsatzsteuer-Voranmeldung nicht dokumentiert, ist sie spätestens bis zur gesetzlichen Abgabefrist für Steuererklärungen gegenüber dem Finanzamt zu erklären. Durch die verlängerten Abgabefristen für 2020 gilt hier der 1.11. bzw. der 2.11.2021.

Diese und weitere interessante Informationen finden Sie in der Ausgabe für Oktober 2021.

Viel Spaß beim Lesen!


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