Mandantenrundschreiben 08/2021

Das neue Rundschreiben im pdf-Format: Mandantenrundschreiben August 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

Die ertragsteuerliche Behandlung von Kryptowährungen wie bspw. Bitcoin oder Ethereum war in den vergangenen Jahren vor allem durch Unsicherheit geprägt, denn von Seiten der Finanzverwaltung gab es, bis auf wenige Ausnahmen, keine Verlautbarungen und auch die Rechtsprechung ist in diesem Bereich noch nicht allzu ausgeprägt. Umso erfreulicher ist es deshalb, dass das Bundesministerium für Finanzen (BMF) die Rufe nach einem BMF-Schreiben endlich erhört hat und nun zumindest in einem am 17. Juni 2021 veröffentlichten Entwurf eines BMF-Schreibens darlegt, wie die Besteuerung von Kryptowährungen aus Sicht der Finanzverwaltung zu erfolgen hat.

Beim sog. „Mining“ wird die eigene Rechnerleistung zur Transaktionsverarbeitung bzw. -verifizierung bereitgestellt, wofür derjenige der die Rechnerleistung zur Verfügung stellt (sog. „Miner“) Einheiten einer virtuellen Währung erhält. Entgegen der bisher herrschenden Literaturauffassung geht der BMF-Entwurf beim Mining von einem Anschaffungsvorgang aus und stellt zudem die Vermutung einer gewerblichen Tätigkeit mit Einkünften nach § 15 EStG auf, wobei auch eine steuerliche Mitunternehmerschaft, in Form einer Personengesellschaft, begründet werden kann, sofern sich mehrere Miner zusammenschließen um gemeinsam Rechnerleistung zur Verfügung zu stellen (sog. „Mining-Pool“). Das BMF stellt zudem klar, dass es sich bei den Kryptowährungen – was bisher mitunter bezweifelt wurde – um (nicht abnutzbare) Wirtschaftsgüter handelt.

Sollten die virtuellen Währungen bereits Betriebsvermögen darstellen, weil sie z.B. durch gewerbliches Mining erworben wurden, führt auch die Veräußerung zu einkommens- und gewerbesteuerpflichtigen Betriebseinnahmen. Gehören die Währungen hingegen nicht bereits zu einem Betriebsvermögen, kann auch der Verkauf eine gewerbliche Tätigkeit begründen. Die Abgrenzung zwischen einer gewerblichen Tätigkeit und der privaten Vermögensverwaltung ist dabei nach den Kriterien des gewerblichen Wertpapier- und Devisenhandels vorzunehmen.

Handelt es sich nicht ausnahmsweise um eine gewerbliche Tätigkeit, ist die Veräußerung von virtuellen Währungen als privates Veräußerungsgeschäft nach § 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 EStG anzusehen, was zur Folge hat, dass Veräußerungen, bei denen der Zeitraum zwischen der Anschaffung und der Veräußerung mehr als ein Jahr beträgt, steuerfrei sind. Die grundsätzlich einjährige Spekulationsfrist verlängert sich allerdings gemäß § 23 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 4 EStG auf zehn Jahre, falls die virtuellen Währungen, z. B. im Rahmen des Lending oder Staking, als Einkunftsquelle dienen.

Das BMF bestätigt in dem Entwurf die Möglichkeit der steuerfreien Veräußerung von privat gehaltenen Kryptowährungen nach der einjährigen Spekulationsfrist, kommt aber in Sachen Mining zu einem von der bisherigen Auffassung abweichenden Ergebnis und stellt die Vermutung einer gewerblichen Tätigkeit auf. Anleger sind gehalten, die Entwicklungen im Blick zu behalten und vorhandene Kryptowährungen im Zweifel nicht vor dem Ablauf eines Jahres zu veräußern., was im schnelllebigen Kryptomarkt zumeist schwierig ist. Ebenfalls bleibt die finale Würdigung im endgültigen BMF-Schreiben spannend.

Betram Wohlschlegel
Wirtschaftsprüfer| Steuerberater

ÜBERSICHT DER THEMEN
Mandantenrundschreiben August 2021:


Für Vermieter

  • Verbilligte Vermietung: Ermittlung der orstüblichen Marktmiete


Für Unternehmer

  • Coronapandemie: Weniger Betriebsprüfungen in 2020
  • Garantiezusagen von KFZ-Händlern: Ab 2022 gilt eine neue Sichtweise bei der Umsatzsteuer


Für Kapitalanleger

  • Ist die Beschränkung der Verlustrechnung für die Aktienveräußerungsverluste verfassungswidrig?


Für Kapitalgesellschaften

  • Bundesfinanzministerium präzisiert die Regeln zum fortführungsgebundenen Verlustvortrag


Für Personengesellschaften

  • Gesetzgebung: Das neue Optionsmodell zur Körperschaftsteuer


Für Arbeitgeber

  • Neue Vergünstigungen bei Mitarbeiterbeteiligungen
  • Nutzung betrieblicher Kommunikationsgeräte: Bundesfinanzhof prüft Gestaltungsmissbrauch

 

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Übersicht: Steuerinformationen für August 2021

Das Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts ist nach der Zustimmung des Bundesrates vom 25.6.2021 in „trockenen Tüchern“. Dahinter verbirgt sich ein gewaltiger Paradigmenwechsel: Die Einführung einer Option zur Körperschaftsteuer für Personenhandelsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften

Darüber hinaus ist in diesem Monat auf folgende Aspekte hinzuweisen:

  • Nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs ist die ortsübliche Marktmiete grundsätzlich auf der Basis des Mietspiegels zu bestimmen. Dies ist für Vermieter relevant, die eine Wohnung zu Wohnzwecken verbilligt (an Angehörige) vermieten.
  • Geben Kfz-Händler ihren Autokäufern eine Garantiezusage, müssen sie für Zusagen nach dem 31.12.2021 eine neue Sichtweise des Bundesfinanzministeriums beachten, die erhebliche versicherungs- und umsatzsteuerrechtliche Konsequenzen haben kann.
  • Durch das Fondsstandortgesetz wurde vor allem für Arbeitnehmer von Startup-Unternehmen eine Regelung geschaffen, wonach Mitarbeiterbeteiligungsprogramme zunächst nicht besteuert werden.

Diese und weitere interessante Informationen finden Sie in der Ausgabe für August 2021.

Viel Spaß beim Lesen!


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