Corona-News # 1: Auswirkungen des Coronavirus auf den Jahresabschluss 2019 (Stand: 17. März 2020)

Die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV2 in Deutschland und die beschlossenen Schutzmaßnahmen verunsichern und belasten zunehmend auch die Wirtschaft. Neben der Bewältigung zahlreicher anderer Herausforderungen stellen sich viele Unternehmen aktuell die Frage, welche Auswirkungen sich auf den Jahresabschluss 2019 ergeben. Einen ersten Überblick zu diesem Themenbereich geben im Folgenden unsere Experten WP/StB Carsten Ernst, WP/StB Philipp Krais und WP/StB Peter Richter. Über weitere ausgewählte Fragestellungen die sich in diesem Zusammenhang ergeben (insbesondere auch in Bezug auf finanzielle, steuerliche und sonstige Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität) halten wir Sie in den kommenden Tagen und Wochen an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Bei der Frage der potentiellen Auswirkung der Ausbreitung des Coronavirus auf den Jahresabschluss zum Stichtag 31.12.2019 lassen sich die folgenden Themenbereiche unterscheiden:
(1) Wertaufhellung vs. Wertbegründung: materielle Auswirkung auf die Bewertung von Vermögensgegenständen und Schulden
(2) Nachtragsberichterstattung im (Konzern-)Anhang
(3) Prognose- und Risikoberichterstattung im (Konzern-)Lagebericht
(4) Einbeziehung von Tochterunternehmen in den Konzernabschluss

In diesem ersten News-Beitrag konzentrieren wir uns auf die Frage, ob sich in Verbindung mit der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus materielle Auswirkungen auf die Bewertung von Vermögensgegenständen und Schulden bereits in zum 31.12.2019 aufzustellenden handelsrechtlichen Jahres- und Konzernabschlüssen ergeben oder erst in Abschlüssen in Folgeperioden zu berücksichtigen sind.

Zu dieser Frage hat sich am 4. März 2020 das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) in einem fachlichen Hinweis zu den „Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Rechnungslegung zum Stichtag 31.12.2019 und deren Prüfung“ geäußert. Die folgenden Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf diesen fachlichen IDW-Hinweis.

Im Wesentlichen geht es dabei um die Frage, ob ggf. bereits zum 31.12.2019 außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen oder Rückstellungen zu bilden sind.

Entscheidend für die Beantwortung dieser Frage ist, ob es sich um wertbegründete oder werterhellende Ereignisse handelt.

Werterhellendes Ereignis
Bei einem werterhellenden Ereignis müssten die Auswirkungen bei der Bewertung der Vermögensgegenstände und Schulden bereits zum 31.12.2019 berücksichtigt werden (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 Halbsatz 1; ggf. i.V.m. § 298 Abs. 1 HGB).

Werterhellung würde dann vorliegen, wenn die Ursachen der Ausbreitung des Coronavirus (und der resultierenden wirtschaftlichen Folgen) bereits vor dem 31.12.2019 angelegt waren, aber erst zwischen dem Abschlussstichtag und der Beendigung der Abschlusserstellung bekannt geworden sind.

Wertbegründendes Ereignis
Bei einem wertbegründenden Ereignis dürfen die Auswirkungen bei der Bewertung der Vermögensgegenstände und Schulden auf Grund des Stichtagsprinzips zum 31.12.2019 nicht berücksichtigt werden (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 Halbsatz 1; ggf. i.V.m. § 298 Abs. 1 HGB).

Wertbegründung würde dann vorliegen, wenn die Ursachen der Ausbreitung des Coronavirus (und der resultierenden wirtschaftlichen Folgen) erst nach dem 31.12.2019 angelegt waren.

Einschätzung des IDW
Das IDW kommt zu dem Ergebnis, dass „bei der Qualifizierung der Auswirkungen des Coronavirus per 31.12.2019 als wertaufhellend oder wertbegründend (…) zu berücksichtigen (ist), dass die Ausbreitung einen fortdauernden Prozess und nicht ein zeitpunktbezogenes Ereignis darstellt. Erste Fälle von Infektionen bei Menschen sind nach derzeitigen Erkenntnissen zwar bereits Anfang Dezember 2019 bekanntgeworden, damals aber (noch) regional begrenzt. Da erst die sprunghafte Ausweitung der Infektionen zu den aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen geführt hat (bspw. Schließung von Betrieben und dadurch bedingte Beeinträchtigungen von Liefer- und Absatzprozessen) und diese Ausweitung erst ab dem Januar 2020 aufgetreten ist, ist nach Auffassung des IDW i.d.R. davon auszugehen, dass das Auftreten des Coronavirus als weltweite Gefahr wertbegründend einzustufen ist und dementsprechend die bilanziellen Konsequenzen erst in Abschlüssen mit Stichtag nach dem 31.12.2019 zu berücksichtigen sind.“

Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an unsere Experten Carsten Ernst, Philipp Krais und Peter Richter unter den folgenden Kontaktdaten:


CARSTEN ERNST

CARSTEN ERNST

Wirtschaftsprüfer/Steuerberater Diplom-Kaufmann

+49 711 48931-519

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PHILIPP KRAIS

PHILIPP KRAIS

Wirtschaftsprüfer/Steuerberater Diplom-Betriebswirt Certified Valuation Analyst (CVA)

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PETER RICHTER

PETER RICHTER

Wirtschaftsprüfer/Steuerberater Diplom-Ökonom

+49 711 48931-420

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Abschließender Hinweis:
Eine vollständige Darstellung potenzieller Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die handelsrechtliche Finanzberichterstattung ist weder möglich noch in diesem Format beabsichtigt.